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Grußwort 25 Jahre familienorientierte Rehabilitation in Bad Oexen

„Der Patient heißt Familie“ ist das Motto der Fachtagung anlässlich von 25 Jahren familienorientierter Rehabilitation in Bad Oexen. Es ist sicher kein Zufall, dass die Anfänge der familienorientierten Rehabilitation in das Jahr 1985 fallen. In dieser Zeit nahm die Pädiatrische Onkologie, die nach ihren Gründerjahren ihre wesentlichen Erfolge bei der Behandlung vieler Erkrankungen erzielte, eine stürmische Entwicklung.

Krebs war heilbar geworden, wenn auch nicht für alle so doch für eine in erstaunlichem Maße zunehmende Anzahl von Kindern und Jugendlichen. Diese Entwicklung war möglich geworden, weil sich die Akutkliniken zunehmend spezialisierten und die hämatologischen und onkologischen Fachgesellschaften den Weg für nationale, einheitliche Therapieoptimierungsstudien gebahnt hatten, in denen nahezu alle Kinder und Jugendlichen behandelt wurden; gleichzeitig wurde der Aufbau von nationalen Referenzeinrichtungen vorangetrieben.

Gleichzeitig begannen die pädiatrischen Onkologen zu verstehen, dass die Heilung nicht ohne erhebliche Belastung der Patienten und ihrer Familien, nicht ohne akute und oft lang dauernde körperliche Folgen und bisweilen auch nicht ohne dauerhaft oder erst verzögernd auftretende Langzeitfolgen zu erreichen war. In den Kliniken entstanden die Elternvereine, die die Arbeit unterstützten und auch die seelischen Bedürfnisse der Patienten und ihrer Familien artikulierten. Krebsbehandlung hatte nicht nur einen „Preis“, sondern dieser „Preis“ musste von den Familien, nicht nur von den Müttern, sondern auch von den Vätern und den Geschwistern bezahlt werden. 

So entwickelten vorausschauende Hämatologen und Onkologen der Region 1985 ein familienorientiertes Konzept, das Grundlage für die familienorientierte Rehabilitation wurde, so wie wir sie heute in Bad Oexen kennen. Dieses Konzept hat sich stetig weiterentwickelt und ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil der onkologischen Therapie. Auf dieser Grundlage können Mütter, Kinder, Väter und Geschwister die oft kaum tragbaren Belastungen der Therapie aushalten und wieder zurück in die Normalität des Lebens finden. Tausende von Kindern und ihre Familien sind in den letzten 25 Jahren in Bad Oexen behandelt worden.

Überwiegend sind dies Kinder mit hämatologisch-onkologischen und kardiologischen Erkrankungen, zunehmend jedoch auch Kinder, die eine Blutstammzelltransplantation hinter sich gebracht haben. Dieses Konzept sieht die Familie als ganzes und berücksichtigt ihre Bedürfnisse: Daher wird jede Familie nicht nur von einem Kinder- und Jugendarzt, sondern von einem psychosozialen Familienbetreuer (einem „Familienmanager“) begleitet, der für alle Anliegen zur Verfügung steht und die Familie bei Beginn und Ende der Reha und mindestens einmal pro Woche sieht. Es gibt Familienprojekte, die den Zusammenhalt festigen, wie gemeinsames Klettern, Tauchen, Reiten oder auch gemeinsames Töpfern.

Zunehmend mehr werden die Familienangehörigen intensiv medizinisch mitbetreut und Probleme wie Rückenschmerzen und Adipositas in besonderem Umfang berücksichtigt. Seit 1987 gibt es auch Rehamaßnahmen für Jugendliche und junge Erwachsene in besonderen Gruppen, seit Sommer 2010 in neuen Räumen im „Junge Leute Haus“ der Klinik.
Wir alle, die wir uns um krebskranke Kinder und Jugendliche und ihre Familien kümmern, wissen, dass die Therapien, die wir heute durchführen, ohne das Nachsorgeangebot der Rehabilitationseinrichtungen nicht machbar wären. Wir verlassen uns darauf, dass Belastungen, die wir den Patienten und den Familien zumuten müssen, ihnen hier abgenommen werden, dass Defizite durch Folgen der Behandlung hier ausgeglichen und korrigiert werden können.

Wir vertrauen darauf, dass die Reintegration in den Alltag, in Beruf und Schule hier eingeleitet wird und dass damit diese Einrichtungen nicht nur Rehabilitation, sondern auch Prophylaxe betreiben, in dem sie Folgen nicht nur lindern, sondern neue Schäden verhindern helfen.
Wir sind dankbar, dass es die familienorientierte Rehabilitation in Bad Oexen gibt und danken ihrem Leiter, ihren jetzigen und ehemaligen Mitarbeitern und ihrem Träger.  Zum 25 jährigen Jubiläum gratulieren wir ganz herzlich.

Prof. Dr. Thomas Klingebiel
Vorsitzender der Gesellschaft für

Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH)